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Lepleja: Kathrin Elfmans Antwort auf Matrix

Die Fans von Kathrin Elfman haben das Erscheinen von “Lepleja” lang erwartet. Die Wiesbadener Autorin hat mit diesem 600-Seiten-Werk ihr bislang ambitioniertestes Werk vollendet. Sie erzählt eine Science Fiction-Geschichte für Erwachsene, in der die verschiedenen Realitätsebenen munter durcheinanderschwurbeln wie Bauklötze bei der großen Kindergeburtstagsparty. Lepleja erzählt die Geschichte von Azurat und Mphaat, die in einem hochtechnisierten Deutschland reinkarnieren. Die allgegenwärtige Kontrolle aller Lebensbereiche durch das Computersystem CogitOS und die allmächtige Behörde M8 beherrschen das Leben der Menschen. Eine der neuesten technischen Entwicklungen besteht darin, aus deren Bewusstseinen die Bausteine für alternative Realitäten zu extrahieren. Die Möglichkeit, eine Welt zu erschaffen, die bis ins letzte Detail ihren ganz persönlichen Wünschen entspricht, nutzen jedoch so viele Menschen, dass die vermeintliche Realtität zerstört wird und das zum Vorschein kommt, was dahinter liegt. Mit “Lepleja” hat Kathrin Elfman einen Roman geschaffen, der von der Story her ein wenig an Matrix oder den Blade Runner erinnern. Im Vergleich zur Konsequenz, mit der Elfman ihre Geschichte erzählt, wirken die Bestseller aus der Hollywood-Maschinerie jedoch wie ein schaler Abklatsch.

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Takafumi: Leseprobe Teil 2

Takafumi machte aus seinem Herzen keine Mördergrube mehr. Er wusste aber auch, von seinen Eltern deswegen keine Schelte befürchten zu müssen. Insgeheim war er sogar auf Mitleid aus. Doch Masaki und Kaori reagierten anders, als es Takafumi erwartet hatte.

Takachan, das kannst du doch nicht machen. Hideki freut sich schon auf dich! Und ich denke nicht, dass er so hart in seinem Urteil sein wird.“

Takafumi blickte seine Mutter überrascht an. Sie stand auf und legte den Arm um ihn.

„Schau. Es ist nur verständlich, dass du ohne Sensei in deiner Disziplin nachgelassen hast. Oto San und ich, wir haben nicht so viel Zeit, um uns so intensiv um dich zu kümmern. Außerdem wollten wir uns nicht anmaßen, dir in dieser Sache Befehle zu erteilen. Das musst du mit dir selbst ausmachen, und letztendlich mit Hideki – San.“

Masaki blieb mucksmäuschenstill, während seine Frau auf seinen Sohn einredete. Kurz davor wollte er noch aufspringen und sich über Takachan echauffieren, aber er erkannte Kaoris Taktik. Sie war brillant. Kaori fuhr fort.

„Denk dran, Takafumi, wie du in den Wochen und Monaten nach deiner Rückkehr von Hideki selbst so viel erreicht hattest. Um ganz ehrlich zu sein, Takachan: wir dachten, du würdest schon viel früher aufgeben. Und deshalb hast du trotzdem unseren vollsten Respekt, und den von Hideki sicherlich auch. Denn wir alle wissen: alleine auf sich gestellt, hat man es alles andere als leicht.“

Takafumi wusste gar nicht, was er darauf erwidern sollte und übersah den kurzen, siegessicheren Blick, den seine Mutter seinem Vater zuwarf. Für Kaori und Masaki ging es schließlich darum, diese traumhaften Wochen zu wiederholen, die sie während der letzten Sommerferien ohne die Kinder gehabt hatten. Takafumi war bei seinem Großvater gewesen, Keiko war mit einer ihrer Freundinnen aus der Schule und deren Eltern weggefahren, und plötzlich hatten sie sich alleine zu Hause wiedergefunden und konnten, das erste Mal seit Jahren, machen, was sie wollten. Das ließen sie sich nicht zwei Mal sagen. Mit Takafumis Entschluss aber waren diese wenigen sorglosen Wochen mit Sex sogar bei Tageslicht und hinter nicht verschlossenen Türen in große Gefahr geraten. Jetzt galt es, erbittert darum zu kämpfen, und Kaori hatte mit ihrer Rede einen wichtigen Punktsieg erzielt.

Doch Takafumi besann sich wieder.

Arigato gozai masu, Oka San. Aber ich fahre trotzdem nicht. Ich habe in dem letzten halben Jahr so ziemlich alles verlernt und vergessen, was mir Großvater über Miyamoto, das Samuraiwesen und den Schwertkampf beigebracht hat. Ich kann ihm so nicht unter die Augen treten.“

Takafumis Eltern blickten sich resigniert an. Aber gerade, als sie ihre Felle vollends davon schwimmen sahen, erhielten sie unerwartete Hilfe.

„Du hast Recht, Taka, so kannst du Oijichan wirklich nicht unter die Augen treten. Deswegen fahre ich für dich!“

Während Takafumi gar nicht bemerkte, wie seine Kinnlade herunterklappte, drehten sich seine Eltern überrascht um. In der Tür baute sich Keiko auf. Sie hatte Takas Offenbarungseid wohl belauscht und gab jetzt ihren großen Auftritt. Selbstsicher, als wäre sie die Älteste und nicht die Jüngste in diesem Zimmer, stand sie vor den Mitgliedern ihrer Familie, die ihr, nach einem Moment der benommenen Stille, unisono eine Frage stellten:

„Du? Warum willst du zu Ojiichan fahren?“

Keiko hatte sich auf diese Frage ein knappes Jahr lang intensiv vorbereitet.

„Warum nicht? Wer sagt denn, dass ausgerechnet Takafumi der legitime Nachfolger von Miyamoto Musashi ist? Warum nicht ich?“

Taka schaute seine Eltern an, die sich wiederum gegenseitig die Fragezeichen in ihren Augen ablasen. Masaki fand als erster die Worte wieder.

„Nun, so gesehen hast du natürlich Recht, Keiko, aber das Amt des Samurais war bislang immer Männern vorbehalten. Ich weiß, wir leben schon längst im Zeitalter der Gleichberechtigung, aber für gewisse Aufgaben sind Frauen einfach nicht vorgesehen, noch dazu, weil es hier auch um das Erlernen von Kriegshandwerk geht.“

Noch bevor Keiko etwas erwidern konnte, war ihre Mutter plötzllich aufgesprungen.

„Was soll das jetzt bitte heißen? Dass wir nicht das Gleiche können wie ihr? Ich bitte dich!“

Masaki versuchte Kaori zu beschwichtigen und wedelte abwehrend mit den Händen, während er begann, herumzudrucksen.

„Nein, nein, das wollte ich nicht damit sagen. Aber hier geht es um etwas sehr männerspezifisches, schon allein vom historischen Blickwinkel aus gesehen, und wir sprechen noch nicht mal von irgendeinem Samurai, sondern von dem berühmtesten Samurai Japans.“

„Genau. Und deswegen habe ich, falls euch das nicht aufgefallen ist, meinen Körper in den letzten Monaten für diese Aufgabe fit gemacht. Taka hingegen eifert wohl mehr Hakuho Sho nach, wenn ich mir ihn so ansehe.“

Bei dem Gedanken an den Sumo – Superstar musste Kaori laut auflachen, was ihr aber gleich im nächsten Moment peinlich war. Takafumi war drauf und dran, seiner verhassten Schwester an die Gurgel zu springen. All diese Bloßstellungen! Und ihre Überheblichkeit erst! Aber so traurig es war: sie hatte Recht. Den Babyspeck, den sich Keiko deutlich sichtbar von ihren Rippen trainiert hatte, schien Takafumi sich in Form von Chili Dogs und Mosburgern, den Hamburgern seiner Lieblings – Fast Food Kette, angefressen zu haben. Vom leckeren Asahi – Dosenbier aus den Automaten ganz zu schweigen. Trotzdem fühlte er sich bei seiner Ehre gepackt.

„Mach dich nicht lächerlich, Keiko. Die Ausbildung bei Ojiichan ist alles andere als ein Zuckerschlecken, und du bist praktisch noch ein Kind! Träum weiter.“

Keiko setzte ein arrogantes Lächeln auf.

„Ich bin zwar jünger als du, aber glaub mir, gegen mich hast du keine Chance. Auch wenn du meinst, stärker als ich zu sein. Aber ich habe beim Training ein paar Sachen über mich herausgefunden, die ich bei dir noch nie gesehen habe. Oder kannst du das etwa auch?“

Mit einem Satz sprang Keiko auf die gepolsterte Rückenlehne der beigen Wohnzimmercouch, auf der ihre Eltern immer noch saßen und gleichzeitig einen heiseren Schrei der Überraschung ausstießen, beugte sich vorne über, ging dann ganz langsam, aber ohne auch nur ansatzweise das Gleichgewicht zu verlieren, auf der Rückenlehne in einen sicheren Handstand, wobei sie fast die Zimmerdecke mit ihren Zehenspitzen berührte, und spazierte dann zwischen ihren Eltern hindurch auf den Händen hinüber auf das kleine Tischchen vor der Couch, von dem sie mit einem Überschlag heruntersprang und vor Takafumi zum Stehen kam.

Nicht nur Taka starrte sie jetzt mit offenem Mund an.

„Siehst du?“ Keiko grinste.

„Ich fahre auf jeden Fall zu Ojiichan, ganz egal, was ihr sagt.“

Da hatte Takafumi den Salat. Nur wegen der dämlichen Flausen in Keikos Spatzenhirn blieb ihm keine andere Wahl, als die Ferien nicht mit seinem Kumpels in der Spielhalle, sondern bei seinem Großvater zu verbringen. Tat er es nicht, wäre er noch mehr blamiert, als er so schon dastand. Aber er wusste auch: wenn Keiko sich einmal was in den Kopf gesetzt hatte, dann war sie unmöglich davon abzubringen. Am liebsten hätte er die kleine Hexe um denselben kürzer gemacht.

„Die Zirkusnummer hier beeindruckt mich nicht. Damit kannst du dich höchstens bei AKB 48 bewerben, aber für die hast du noch zu wenig unter dem Bikini.“

„Takafumi!“ Seine Mutter schrie empört auf. Aber Taka ließ sich nicht beirren.

„Ich fahre zu Oijichan, und zwar alleine. Nach diesem Sommer wirst du ganz andere Dinge zu sehen bekommen, das garantiere ich dir.“

Masaki war gerade drauf und dran, etwas zu sagen, wurde jedoch von seiner Frau durch einen gezielten Stoß in die Rippen davon abgebracht. Kaori ergriff das Wort.

„Ich bin mir zwar nicht sicher, was hier gerade passiert ist. Aber mich hat diese Zirkusnummer, wie du diese Darbietung so geringschätzig bezeichnet hast, Takafumi, sehr beeindruckt. Zumindest so stark, dass ich Keikos Frage von vorher nachvollziehen kann. Warum sollst du der rechtmäßige Erbe von Musashi sein? Wieso nicht Keiko?“

Kaori machte eine kurze Pause, bevor sie fortfuhr. Takafumis Nervosität wuchs.

„Diese Frage ist akso durchaus berechtigt. Ich kann mir vorstellen, dass Hideki – San ähnlich darüber denken wird.“

Jetzt sah sie Masaki an.

„Deswegen halte ich es für das Beste, wenn ihr beide zu eurem Ojiichan fahrt. Dort wird sich herausstellen, wer denn nun wirklich der Erbe von Miyamoto Musashi ist.“

Takafumi stöhnte auf. Er hatte sich schon damit abgefunden, wieder bei Hideki – San antreten zu müssen, aber ein Unglück kam wohl selten allein. Jetzt hatte er auch noch seine Schwester am Hals. Keiko hingegen tänzelte freudestrahlend durch das Wohnzimmer.

„Muss das wirklich sein, Oto San?“

Es war an Masaki, das letzte Wort in der Angelegenheit zu sprechen.

Hai, Takachan. Ich glaube, das ist das Beste für alle Beteiligten. Und Keiko hat durchaus das Recht herauszufinden, was es mit ihren Talenten auf sich hat. Nachdem ich nicht vermute, dass jedes Jahr eine schwarze Nonne Toi-Mura heimsucht, könnte es ja ein relativ normaler Ferienaufenthalt für euch beide werden.“

Unabhängig voneinander mussten Kaori und Masaki grinsen. Takafumi hingegen dachte schon mit Grauen an die bevorstehenden Ferien.

Verärgert verzog er sich durch die Hintertüre nach draußen in die schwüle Nacht, um eine zu qualmen. Auf seinem Handy drückte er die Kurzwahltaste von Emiko. Was sie gleich zu hören bekam, würde ihr bestimmt nicht gefallen.

 

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Und so beginnt das neue Abenteuer Takafumi gegen Kagerou

Kapitel 1

Nun, zugegeben, es war der reinste Pop.

Aber selbst Takafumi sah die Show von Smap immer gern, einer schon längst in die Jahre gekommenen Boyband, die trotzdem immer noch zu den beliebtesten Gruppen in Japan zählte und deswegen seit Ewigkeiten schon eine eigene Sendung im Fernsehen hatte. Als Heavy Metal Fan hasste Takafumi natürlich die Musik der 5 Schönlinge und er fand es immer ultrapeinlich, wenn seine Mutter leise zu ihren Liedern mitsummte und man ihrem Gesicht ablesen konnte, dass sie wohl damals irgendetwas Tolles erlebt hatte, als jener Song gerade groß war. Puuh! Doch dieser Montagabend war mittlerweile zu einem der wenigen Momente in der Woche geworden, an denen sich die gesamte Familie zusammenfand. Auch, wenn es nur zum Fernsehen war. Ansonsten gingen Taka und seine Schwester Keiko immer mehr ihre eigenen Wege oder hatten noch bis spät mit ihren Hausaufgaben zu tun.

Aber dieses Mal war alles anders, wenigstens für Takafumi.

Während seine Mutter Kaori und sein Vater Masaki dem Programm folgten, kaute er gedankenverloren auf einem Jagariko mit Gemüsegeschmack herum und überlegte fieberhaft, wie er es ihnen am besten beibringen sollte.

Dabei war alles nach der Rückkehr von seinem Großvater Hideki im vergangenen Jahr so gut gewesen. Takafumi hatte sich äußerste Mühe gegeben, war in der Schule besser geworden, sehr zum Erstaunen seiner Kumpel und noch mehr zu dem seiner Lehrer. Er hatte regelmäßig trainiert und sogar wieder mit Kendo angefangen, damit er sich zumindest halbwegs mit einer Art Schwert in Form halten konnte. Oft besuchte er auch die beiden Ballparks in seiner Nähe, wo man für ein paar Yen mit einer Baseballmaschine seine Schlagtechnik trainieren konnte. Diese zu verbessern interessierte Takafumi jedoch wenig. Er wollte seine Wahrnehmung und seine Reaktionsfähigkeit optimieren, deswegen stellte er die Maschine immer auf volle Geschwindigkeit und ließ sich mit Basebällen richtiggehend bombardieren. Schon nach wenigen Tagen traf er nicht nur jeden der kleinen, tierisch harten Bälle oder wich ihnen geschickt aus. Nein, er hielt dabei auch noch den Schläger verkehrt herum und schlug mit dessen dünnerem Ende.

Alles lief also wunderbar, aber eines Tages, so nach drei Monaten ungefähr, wurde er nachlässig. Er wusste nicht, warum. Seine Trainingseinheiten wurden weniger, beim Kendo ließ er sich auch immer seltener blicken, seine Selbstdisziplin nahm ab und über kurz oder lang verbrachte er wieder mehr Zeit mit seinen Freunden in Spielhallen, beim Pachinko, oder auf den Parkplätzen der Lawson – Lebensmittelmärkte, wo sie zusammen abhingen, aufgedonnerten Mädchen in Hotpants und künstlichen Lederstiefeln bis über die Knie nachpfiffen, rauchten und Bier tranken. Der Schlendrian war still und heimlich zurückgekehrt, hatte sich vorsichtig bei Takafumi umgesehen, ob die Luft rein war und hatte sich wieder bei ihm eingenistet. Daran konnte selbst Emiko nichts ändern.

Emiko war Takas neue Freundin, ein bildhübsches Mädchen aus der Nachbarschaft, mit der er seit einigen Tagen viel Zeit verbrachte. Sie hatte sich zuvor nie für ihn interessiert, den durchgeknallten Heavy Metal Fan, aber auch ihr war aufgefallen, dass sich Takafumi verändert hatte – und schlecht ausgesehen hatte er noch nie. Natürlich konnte Emiko nicht wissen, dass er wieder auf dem besten Weg zu alten Untugenden war und sie indirekt daran mitwirkte.

Ihm fehlte ein richtiger Sensei. Ihm fehlte Hideki.

Takafumi brauchte seinen Großvater, der seinem Enkel immer wieder einbläute, dass ihm die einmalige Chance in die Wiege gelegt worden war, die Nachfolge von Miyamoto Musashi, dem berühmtesten Samurai Japans, anzutreten. Dafür musste man aber über sich hinauswachsen, genauso wie es Musashi vor knapp 400 Jahren selbst getan hatte.

Von seinen Eltern durfte Takafumi keine Hilfe erwarten. Bevor er vergangenes Jahr zu Hideki in das kleine Fischerörtchen Toi-Mura gekommen war, wusste er gar nicht, der Urururururururenkel von Musashi gewesen zu sein. Sein Vater hatte es ihm verschwiegen, denn diese Bürde war schuld daran, dass Masaki seine Mutter verloren hatte – Takafumis Großmutter. Kagerou und seine Ninjabande hatten ihr und Hideki eine Falle gestellt, und Ayako kam dabei tragisch ums Leben. Masaki hatte Hideki dafür die Schuld gegeben und es ihm nicht verziehen, bis sie sich im vergangenen Jahr endlich versöhnt hatten.

Nichtsdestotrotz gingen Masaki und Kaori immer noch äußerst sensibel mit dem Thema um, obwohl sie es sehr gerne gesehen hatten, wie Takafumi an sich selbst gearbeitet hatte. Seinen Rückfall in alte, schlechte Gewohnheiten quittierten sie aber lediglich mit einem Schulterzucken.

Jetzt standen die Sommerferien wieder an und es war ausgemachte Sache, dass Takafumi die sechs Wochen bei Hideki verbringen sollte, um seine Ausbildung zum Samurai fortzusetzen. Doch je näher die Ferien rückten, desto mehr plagte das schlechte Gewissen Takafumi. Anstatt wieder an sich selbst zu arbeiten, suhlte er sich lieber in seinen Gewissensbissen. So konnte er Hideki nicht gegenübertreten. Sein Ojiichan wäre maßlos enttäuscht, und das wiederum würde Takafumi letztendlich bestätigen, wie sehr er versagt hatte. Ihm blieb nur ein Ausweg: er würde erst gar nicht zu Hideki fahren. Punkt. Schluss. Aus. Sollte dieser darüber denken, wie er wollte, aber zumindest musste Takafumi dessen Enttäuschung nicht von seinem Gesicht ablesen.

Taka schob sich das letzte Jagariko in den Mund – er hatte heute schon die zweite Dose von diesen fettigen, aber unwiderstehlichen Kartoffelchips in Pommes Frites – Form geleert – dann stand er auf und postierte sich vor dem kleinen Flatscreen, auf dem seine Eltern immer noch amüsiert das Programm verfolgten.

Oka San, Oto San, ich muss euch etwas sagen.“

„Nicht jetzt, Takachan, kann das nicht bis nach Smap warten?“

„Nein. Ich fahre in den Ferien nicht zu Ojiichan.“

Masaki und Kaori blickten sich an. Masaki nahm die Fernbedienung und schaltete aus.

„Warum nicht? Ist es wegen Emiko?“

„Nein, nein.“ An Emiko hatte Takafumi noch gar nicht gedacht, aber das wollte er jetzt mit seinen Eltern nicht diskutieren. Er warf sich in eine dramatische Pose.

„Schaut mich doch an! Ich kann Hideki – San so nicht unter die Augen treten. Ich bin faul geworden, sogar ein wenig fett in letzter Zeit.“

Er zupfte dabei an seinem quietschbunten Suicide Silence T-Shirt, das sich eng um sein Bäuchlein legte.

„Und eigentlich sollte ich genau das Gegenteil sein.“

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Leseprobe Takafumi gegen Kagerou

Prolog

1603

Der Wind peitschte kalten Regen gegen die Mauern und Dächer des kaiserlichen Palastes in Kyoto. Obwohl es drinnen trocken blieb, pfiff so manche Bö durch die schmalen Ritzen der edlen, mächtigen Holzvertäfelungen, welche die privaten Gemächer der Kaiserfamilie von außen nicht einsehbar machten und für eine ungemütliche Kälte in dieser Herbstnacht sorgte.

Kaiserin Masako fror trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: ihre Hände waren feucht, sie schwitzte leicht vor Aufregung und Nervosität. Sie wusste, dass sie bald Besuch bekommen würde. ER würde zurückkehren, und keiner durfte je davon erfahren. Der Kaiser hatte sich schon früh in seine Räume zurückgezogen und warmen Sake kommen lassen, und sie selbst hatte ihren Sohn Kiro gerade zu Bett gebracht und ihm alte Lieder vorgesungen, bis dieser eingeschlafen war.

Jetzt saß Masako in einem schlichten Schlafkimono im trüben Schein der Öllampen vor ihrem Spiegel und trug oshiroi, eine weiße Paste, auf ihr Gesicht auf, während sie darauf wartete, dass die schwarze Tinte auf ihren Zähnen trocknete. Sie hörte den Sturm durch die Ritzen fegen und das Prasseln des Regens auf die dunklen Schindeldächer des Palastes, aber trotz der unheimlichen Stimmung und ihrer Nervosität verspürte sie keine Angst, sondern Vorfreude – und Erregung.

Schließlich befand Masako ihr Make Up für gut, löschte zwei der drei Lampen und legte sich auf ihren Futon, wobei sie den Kimono wieder glatt strich.

Warten. Nur Wind und Regen verursachten Geräusche. Ihr Körper fing an vor Anspannung zu zittern. War da nicht etwas? Kaum merkbar hob und senkte sich einer der weißen Vorhänge mit dem kaiserlichen Wappen darauf, es war nicht mehr als ein Lufthauch, der durch den Raum wehte. Plötzlich stand er da. Trotz seiner imposanten Figur und seiner massiven Rüstung war er wie aus dem Nichts aufgetaucht, und selbst als er sich unversehens der Kaiserin näherte und neben ihr auf dem Futon Platz nahm, war kein Laut zu hören. Masako beunruhigte das nicht mehr. Schon vor langem hatte sie die Erkenntnis gewonnen, dass Dämonen zu Dingen fähig waren, die jenseits des menschlichen Verständnisses lagen.

Gomba wa, meine Kaiserin. Wie ich sehe, erwartet ihr mich bereits. Das freut mich.“ Tegun ließ seine überlange, spitze Zunge an Masakos Hals hinuntergleiten. Sie schauderte vor Erregung, aber trotzdem wehrte sie sich dagegen, vollständig seinem Zauber zu erliegen.

„Ich bin nicht eure Kaiserin. Merkt euch das.“

Tegun musste lächeln, hörte aber nicht auf, seine Zunge an ihrem Hals spielen zu lassen.

„Ihr habt Recht. Aber in dieser Nacht werden wir etwas erschaffen, was uns beide auf ewig verbindet. Damit werdet ihr mächtiger sein, als ihr es als Kaiserin je wart. Seid ihr bereit dafür?“

Masako wollte noch den Kopf schütteln, doch Tegun war bereits auf ihr und befreite sie mit seinen geschickten Händen von ihrem Kimono. Wie so oft schon zuvor, gab sie mit einem erregten Seufzen jeglichen Widerstand auf.

Doch dieses Mal war etwas anders. Dieses Mal drang Tegun nicht nur in ihren Körper, sondern auch in ihre Seele ein und bearbeitete beide gleichermaßen.

Nach dem langen und intensiven Akt war Masakos Wille gebrochen. Sie befand sich vollends in seiner Gewalt, physisch wie mental. Tegun hatte gezielt darauf hingearbeitet. Bevor er ebenso lautlos verschwand, wie er erschienen war, flüsterte er ihr noch ins Ohr:

„Du weißt, was du jetzt zu tun hast.“

Masako nickte wie benommen. Langsam stand sie auf, strich wieder ihren Kimono zurecht und nahm einen Dolch aus der untersten Schublade ihrer Kommode. Dann verließ sie unbemerkt ihre Räumlichkeiten.

Normalerweise konnte kein noch so starkes Gewitter den kleinen Kiro aus seinem Schlaf reißen. Doch irgendetwas ließ den jungen Thronfolger in dieser Nacht aufschrecken. Seine Mutter, die mit beiden Händen ihren Dolch umklammerte und zum Stoß ansetzte, war das letzte, was er in diesem Leben sah.

 

Mit diesen Worten beginnt der zweite Teil der Saga um Takafumi. Einen weiteren Vorgeschmack auf das neue Werk von Thomas Moser gibt es  mit dem ersten Kapitel im Laufe der nächsten Woche.

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Ein Double-Feature für den Lesesommer

“Takafumi gegen Kagerou”, der neueste literarische Streich von Thomas Moser ist nun demnächst im Buchhandel erhältlich und schon rückt die nächste Neuerscheinung in greifbare Nähe: Sebastian Keller schließt in den nächsten Tagen die Mephisto-Pentalogie und stellt “Sex and Poetry” am 30. August um 19 Uhr in der Moosburger Stadtbücherei vor. Der letzte Teil der Pentalogie entführt den Leser ins Deutschland des 18. Jahrhunderts, wo alles seinen Anfang nahm.

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Eine fantastische Reise durch die Jahrhunderte

Die große Stärke von Thomas Moser besteht darin, dass er den Leser in seinem Erstling Takafumi und die Rückkehr der schwarzen Nonne mit Haut und Haaren in das Japan der Gegenwart entführt. Er schildert den Alltag seines Helden und gibt einen Einblick in japans Gesellschaft und Alltagskultur. In Takafumi gegen Kagerou geht er noch einen Schritt weiter. Denn auch diese Story spannt er über einen Zeitraum von Jahrhunderten. Doch diesmal spielt ein großer Teil im Japan des 17. Jahrhunderts.

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Der Countdown läuft

Die Saga setzt sich fort: Voraussichtlich Ende Juni, so der Autor Thomas Moser, erscheint der zweite Takafumi-Band. Wie schon in Takafumi und die Rückkehr der schwarzen Nonne wird der Teenager Takafumi auch in diesem Abenteuer zur Schlüsselfigur im ewigen Kampf zwischen gut und böse. Doch diesmal ist  er besser vorbereitet.

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Der Wahnsinn hat Methode

Bei einer Lesung der ganz besonderen Art ist King of Fools-Autor Damian Raven in Nürnberg zur Gast. Er bestreitet zusammen mit Holger Schossig und Rona Walter einen Literaturabend unter dem Motto “(Un-)wirklich oder normal ist anders!” Während Raven aus Mexico Way liest und Einblicke in die Untiefen der menschlichen Seele gibt, schildert Schossig den ganz normalen Wahnsinn, den er als Kurierfahrer erlebt hat. Als Mitstreiterin konnten Raven und Schossig Rona Walter gewinnen, die als vielversprechendes Talent im Bereich der Horrorliteratur gelten darf und eine feste Größe in der Hamburger Gothic-Szene ist.

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Ganz normale Helden in bizarren Situationen

Was haben die Protagonisten in den Romanen von Sebastian Keller, Alexander Broy, Damian Raven und Thomas Moser gemeinsam? Es sind eigentlich ganz normale junge Menschen, die unvermutet in bizarre Situationen rutschen. Während Oskar in der Mephisto-Pentalogie in eine groß angelegte Verschwörung rutscht, wirbelt der Kultprogrammierer Zeth Texas das Leben in einem Arbeitsloenghetto durcheinander. Bei Raven erlebt der Held einen bizarren Drogentrip auf dem Weg nach Süden in die ersehnte Freiheit. Und bei Thomas Moser ist es der Jugendliche Takafumi, der unvermittelt zur Schlüsselfigur im ewigen Kampf zwischen gut und böse in der japanischen Sagenwelt wird. Bald erlebt er sein zweites Abenteuer.

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So geht´s weiter

In den ersten Wochen nach der Rückkehr von seinem Großvater hat Takafumi verbissen trainiert. Doch irgendwann ist der Eifer erlahmt. Takafumi ist faul und träge geworden. Deshalb möchte er in den nächsten Sommerferien die Ausbildung zum Samurai eigentlich nicht fortsetzen. Doch seine Eltern sind stolz auf ihn und motivieren ihn, zu fahren. Die Überraschung zu Beginn: Takafumis Schwester Keiko hat während des Schuljahres eifrig trainiert und will mitfahren. Ein geschwisterlicher Wettstreit bahnt sich an, während sich das nächste Abenteuer in der japanischen Sagenwelt anbahnt.

Thomas Moser legt im zweiten Band ordentlich nach, bleibt sich und seinem Stil treu und gibt seinen Charakteren Raum, sich zu entwickeln.

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